Katja Holstein-Gußmann Lebt mit Mann und Hund seit langem in Heuweiler. Im Vorstand der Bürgerrunde und Mitglied in der Kultur AG. Leiterin der Mediathek Denzlingen.

Bürgerrunde Juni 2017 - Dorfladen

29. Juni 2017 19:30 Uhr Schulungsraum, Rathaus

Bürgerrunde Juni 2017 - Dorfladen

Zu Gast war Herr Dr. Wüst, der erste Vorstand des Bürgervereins Grunern e.V., zu einem Vortrag und einer Diskussion. Den Bürgerverein Grunern gibt es bereits seit 25 Jahren. Der Bürgerverein, in dem sich rund ein Drittel der 950-Einwohner-Gemeinde ehrenamtlich engagieren, hat 2013 den Deutschen Bürgerpreis bekommen. Der Verein betreibt seit 2013 sehr erfolgreich einen eigenen Dorfladen (siehe auch http://www.grunern.de). Herr Dr. Wüst lieferte uns einen beeindruckenden Erfahrungsbericht und gute Tipps zur Förderung des Dorflebens und des bürgerschaftlichen Engagements.

Thema „Dorfladen“ – Vortrag von Dr. Ulrich Wüst aus Staufen-Grunern

  • Dorfladen ist ein Projekt des Bürgervereins Grunern, besteht seit 2014
  • Bürgerverein besteht seit 25 Jahren. Grunern wurde eingemeindet, damit brach ein Großteil der Infrastruktur weg. Ziel des Vereins ist es, die Impulse im Dorf zu erhalten. Bisher Sanierung verschiedener alter Gebäude zur unterschiedlichsten Nutzung, Einrichtung eines Blockheizkraftwerks (jetzt GmbH), Organisation von Kernzeit- und Ferienbetreuung.
  • Idee des Dorfladens entstand, da kein Laden mehr im Dorf fußläufig vorhanden war. In Grunern gibt es relativ viele Ferienwohnungen, für die ein nahegelegener Laden mit Backwaren sehr werbeträchtig wäre. Auch der Taschengeld-Gedanke für Kinder spielte eine Rolle.
  • Beginn mit Fragebogen, bei dem alle Interessen abgefragt wurden. Rücklauf von 40%, durchweg positiv.
  • Wo sollte man einen Dorfladen ansiedeln? Möglichst zentral, fußläufige Erreichbarkeit.
  • Welche Ware sollte man anbieten? Keine Großpackungen, Waren zur täglichen Versorgung. 1 billiges + 1 teureres Produkt einer Art
  • Wie groß muss der Raum sein? Nicht zu klein! In Grunern stand nur das Milchhäusle zur Verfügung, ist aber eigentlich zu klein.
  • Finanzierung: Bauen und Mieten ist im Lebensmittelbereich sehr schwer, die Gewinnmarge liegt bei 25%. Fragebogen Wieviel würde der Kunde täglich kaufen? – damit lässt sich ungefähr der Umsatz hochrechnen. Der Verein bekam das Milchhäusle mietfrei von der Gemeinde. Sanierung durch den Verein (30Tsd Euro + Arbeitsstunden der Mitglieder.
  • Wichtig bei Kalkulation: Energiekosten einberechnen
  • Dorfladen ist billiger als EDEKA
  • Umsatz 200.000 €
  • „Hausfrauenprodukte“ wie Marmelade, Eingelegtes, Kuchen praktisch nicht möglich, da zu hohe Auflagen durch das Gesundheitsamt
  • Landesregierung fördert Dorfläden (s. Dorfladen von Wies im Wiesental)
  • Angegliedert an den Dorfladen in Grunern ist eine kleine Kaffeeecke. Sehr wichtig! Dient als Treffpunkt und Kommunikationsort.

Rechtsform

  • Verschiedene Rechtsformen sind möglich:
  • GmbH aber: hohe Einlagen nötig
  • Genossenschaft – sehr sicher, aber hohe Auflagen und teuer
  • Verein - wirtschaftliche Vereine gibt es in Baden-Württemberg nicht. Amtsgerichte beurteilen das unterschiedlich. Ausgliederung aus dem gemeinnützigen Bürgerverein in einen selbständigen Verein.
  • Baurechtsbehörde muss früh eingeschaltet werden (Nutzungsänderung beantragen. Brandschutz. Behindertengerechter Zugang etc.)

Öffnungszeiten

  • Laden muss immer aufhaben!
  • 7-11 15-18, Sonntag: 8-10

Angebot

  • Nur regionale Produkte
  • Bäckerware, nichts Aufgebackenes

Personal

  • Verkäuferinnen werden bezahlt ! 4x450€
  • 2 Aushilfen nach Stunden
  • Bezahlung nicht zum Mindestlohn. Das vermeidet Fluktuation. (12 €/Stunde) + Ehrenamtliche
  • Arbeit von Ehrenamtlichen ist zweischneidig. Zwar hohe Bindung und sehr gute Multiplikatoren – aber: das Ehrenamt ist nicht einforderbar.
  • Hol- und Bringdienste für Ware (Gemüse) ist ehrenamtlich, Bäcker und Metzger liefert
  • Abrechnung durch Ehrenamtliche

Fragen

  • Gibt es einen Ortschaftsrat? Nein
  • Wie kommt man zu so vielen Engagierten? – Mit gutem Beispiel vorangehen und direkte Ansprache
  • Sind im Bürgerverein eher die Neubürger engagiert? – Nein, gute Mischung zwischen Alt- und Neubürgern, Jung und Alt
  • Wieviel Mitglieder hat der Bürgerverein? 350 Mitglieder (bei ca.1000 Einwohnern), 10 Vorstände. Der Dorfladen ist extra Verein

Bericht von Claudius Stahl über die Anfrage eines Discounters, der sich in Heuweiler ansiedeln will

Im Glottertal haben Rewe + Netto angefragt. Netto war der Standort zu unattraktiv, deshalb Anfrage an den Gemeinderat nach den Standort Ortseingang bei den Flaschencontainern vor den Häusern . Anfangs war eher die Meinung, darüber die Bevölkerung in einen Bürgerentscheid entscheiden zu lassen. Nach Überlegungen zu Verkehrsaufkommen und Verschandelung des Ortsbildes inzwischen eher Ablehnung durch den Gemeinderat. Netto hat allerdings nicht nochmal nachgefragt.

Diskussion

  • Konzept Marktscheune, Bsp.: Berghaupten/Kinzigtal. Privater Investor. Allerdings sehr hochpreisig, Standort nicht zentral, Konzept des Dorfladens nicht erfüllt